Heute morgen habe ich bei meinem Lieblingssender Hamburg 90,3 den Hit "Fernando" von den Abbas gehört und ich war sofort gut drauf. Die Abbas hatten Fans von 8 bis 80 und das will was heißen. Sie waren die ersten Paradiesvögel, die via Fernsehen in jede Hütte geflogen kamen, um ihre Zuhörer zu entzücken. Irgendwie wirkten sie unschuldig und liebenswert und jeder hatte sie einfach gern. Vor kurzem gab es im Fernsehen eine Abba-Nacht, die ich mir reingezogen habe, um anschließend vergnügt summend ins Bett zu gehen.
Musik ist für mich Manna. Das war sie schon immer. Sie entführte mich aus der rauhen Wirklichkeit weit weg in die Sphären himmlischer Engelschöre und zeigte mir, daß Gott hier seinen schönsten Schöpfungsakt vollzogen hat, indem er den Menschen die Gabe schenkte, zu singen und zu musizieren.
Als ich das erste Mal die Oper "La Boheme" sehen und hören durfte, habe ich mein Taschentuch naß geheult, so ergriffen war ich von der schwindsüchtigen Mimi mit ihren eiskalten Händchen, die ihr Rudolfo so verzweifelt zu wärmen versuchte.
Und als wir wieder einmal einen derartigen Eiswinter hatten, daß ich, kaum daß ich aus der Haustür getreten war, auch schon der Länge nach auf der Straße lag und auf der Spiegelglatten Fläche keinen Fuß vor den anderen bekam, beschloß ich mit meiner Freundin, die auch gerade auf allen Vieren auf mich zugekrochen kam, wieder zurück ins Haus zu kriechen, um im warmen Wohnzimmer bei Tee und Keksen Musik zu hören. Es konnte kein Bus fahren und nur Schlittschuhläufer gelangten an ihren Arbeitsplatz. Und da ich weder Schlittschuhe hatte, noch laufen konnte, war das Thema Arbeit an diesem Tag für mich passee.
Wir hörten den ganzen Vormittag Mario Lanza, der irgendwo eine Matineevorstellung gab mit sämtlichen Arien und wenn er dann aus Tosca die Arie "Und es blitzen die Sterne" sang, dann war ich hin und weg und hätte mich glatt mit ihm zusammen standesrechtlich erschießen lassen oder wäre mit der verzweifelten Tosca von der Engelsburg gesprungen.
Da ich aber empfänglich war für jede Art von Musik, wenn sie nur mein Herz berührte, war ich nicht nur auf Opern festgelegt, sondern begeisterte mich auch für Schlager, Chansons und kritischen Songs, wie denen von Robert Long, die teilweise so melancholisch und traurig klangen, wenn er z.B. von Jos sang, der nicht mehr leben wollte und einfach aus dem Lebensboot ausstieg. Oder sein Lied von der strahlenden Sonne, die auf die schrecklichsten Verbrechen schien, statt sich in tiefe schwarze Trauer zu hüllen. Oder sein Lied "Lebenslänglich", das eigentlich jedem unter die Haut gehen muß, der dieses Alter erreicht hat. Und dann gibt es noch die Filmmusik, die mich einfach aus den Schuhen haut, wie etwa der Sirtaki aus "Alexis Sorbas", der so elektrisierend war, daß man das Gefühl hatte, alle Kinobesucher würden gleich aufspringen, sich bei den Schultern fassen und gemeinsam aus dem Kino tanzen. Und gleichzeitig bekam man noch etwas mit auf den Weg, was einfach unglaublich war. Der großartige Anthony Quinn sagte während des Tanzes zu dem jungen schönen Alan Bates: Ich habe noch nie einen Mann so geliebt, wie dich." Und das klang ganz unschuldig, unerotisch, einfach so. Ein Mensch liebt einen Menschen. Nur hätte sich zu der Zeit es niemand in Deutschland und Umgebung gewagt, so etwas auszusprechen, das war nicht nur degoutant, sondern auch gefährlich, denn man hätte ihm sofort Homosexualität unterstellt.
Und ich bin wieder hin und weg von diesem so viel Lebensfreude ausstrahlenden Sirtaki. Und seit der Zeit bin ich infiziert, in erster Linie von Mikis Theodorakis, der so viele tolle Musik geschrieben hat, wie z.B. zu dem Film Z. Zi Zi Zi Er lebt, schreibt Oriana Fallaci in ihrem Roman "Ein Mann", der für die Freiheit und die Wahrheit kämpfte. Sehr lesenswert.
Und ihr Buch, das erst vor kurzem erschienen ist, "Die Wut und der Stolz" sollte eigentlich von jedem gelesen werden. Sie scheut sich nicht, unbequeme Wahrheiten über den 11. September und die darin involvierten Länder zu präsentieren. Und sie zieht erbarmungslos vom Leder, wenn es um den "Cavaliere" - jeder weiß, wer gemeint ist - geht, den sie als einen strohdummen und eitlen Politiker abkanzelt. Da sie aber eine intelligente Frau ist und weiß, wovon sie schreibt, kann sie es sich erlauben, wie eine Furie über die Mächtigen dieser Welt herzufallen. Ich bewundere diese Frau, sie ist ehrlich und furchtlos.
Ich liebe aber auch Musikfilme, die erst durch ihre Musik leben, wie "Farinelli". Der ist ein Countersänger. Früher hat man die Knaben, bevor sie in den Stimmbruch kamen, einfach kastriert. Die heutigen Countersänger sind nicht kastriert, sondern sie haben eine Anomalie an den Stimmbändern, die es ihnen ermöglicht, so hoch zu singen. Früher hatte auch der Sultan, der einen großen Harem in seinem Serail unterhielt, die Haremswächter kastrieren lassen, damit er sicher war, daß ihm keiner Hörner aufsetzte. Diese fetten Watschelenten mit Piepsstimme und dem Hang zum Sadismus waren aber wahrscheinlich nicht durch die Kastration so fett, sondern sie kompensierten ihre verlorene Männlichkeit damit, daß sie den ganzen Tag pfundweise Süßigkeiten in sich rein warfen, wie den heute noch auf den Jahrmärkten verkauften türkischen Honig oder die zuckersüßen klebrigen Gebäckstückchen, dazu süßer Likör und was es sonst noch so gibt, um seine innere Leere zu füllen.
Farinelli war jedenfalls rank und schlank und hatte eine göttliche Stimme.
Und dann habe ich lange überlegt, ob ich das nächste Video einstellen soll. "Tears of the sun". Aber diesen Film sollte sich jeder ansehen, damit er weiß, was in der Welt vor sich geht. Welche Grausamkeiten unter der Sonne geschehen. Afrikaner schlachten Afrikaner ab. Sie züchten sich Kindersoldaten, die auch nichts anderes kennen, als zu töten. Und Europäer, die dort sind, nur um zu helfen, müssen sich in Acht nehmen, daß sie nicht gleich mit abgeschlachtet werden. Ich habe also kein Video mit diesen brutalen Szenen gewählt, sondern nur mit einem Standbild, um Euch diese Musik nahe zu bringen. Diese afrikanische Musik, die so voller Trauer ist, aber auch voller Hoffnung, muß man gehört haben. Allerdings ist ein Stück nicht dabei. Vielleicht hat die GEMA ihre Hände darauf, denn die Musik zerreißt einem garantiert das Herz.
Und dann kommen noch die Sanften, die melancholisch und traurig über das Elend in der Welt singen, wie der von mir so geliebte und leider inzwischen verstorbene Robert Long mit seinem Song: "In der Sonne", der sehr gut als Gegenstück zu den Tears of the Sun paßt:
Wie wär's mit etwas Aufmunterndem:
Liebe Grüße
27.08.2012
Und nach den Sanften kommen jetzt die Frechen, die Ironischen, die Bissigen:
Und zum Schluß wieder etwas Romantisches!!!
Und nun freut Euch des Lebens. Lacht, singt, tanzt und trinkt ein (!) Glas was auch immer auf mich.
Eure Renate
http://www.renate-kronberg.de



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