Mittwoch, 12. September 2012

FDH, vornehme Umschreibung für: Friß die Hälfte

Es ist immer das Gleiche. Egal wer oben sitzt. Fürstenhäuser, oder solche, die sich aus der Masse nach oben gekämpft haben mit dem festen Entschluß, da oben sitzen zu bleiben komme es, was wolle.
Für die da oben gilt die Fettlebe, alles in Luxus und Übermaß, was natürlich von denen da unten finanziert werden muß, so daß für die armen Schlucker meistens nicht viel übrig bleibt. Steuereintreiber haben kein Gefühl und kein Mitleid, sie tun nur ihre Pflicht.
Dazu kommen noch die Daumenschrauben aus politischem Kalkül.
Als Roosevelt nach dem zweiten Weltkrieg auf Anraten seines Intimus Morgenthau befahl, Deutschland in ein Agrarland zurückzubefördern und alles was Wert und zu gebrauchen war, aus Deutschland herauszuschaffen und an die Alliierten zu verteilen, antwortete er auf den Einwand einer seiner Mitarbeiter, daß er damit Deutschland aushungern würde: "Die Deutschen können froh sein, wenn sie jeden Tag einen Teller Suppe haben."  Außerdem sollten noch die Deiche gesprengt werden, damit Städte wie Wilhelmshaven und Kiel mit ihrem ehemaligen 1000jährigen Glanz und Gloria untergingen. Daß es dann dazu doch nicht kam, hatte wieder mit der Politik zu tun.
Stalin hatte sehr schnell seine wahren Absichten offenbart, seinen Einflußbereich bis an den Atlantik auszudehnen und den Eisernen Vorhang krachend herunterfallen lassen.
Daraufhin ruderten alle zurück. Riefen den Marshalplan ins Leben und stopften in den Westen so viel Geld wie möglich, um ihn im Ernstfall gegen die Russen ins Feld zu führen. Daran kann man sehen, wenn es der Politik dient, wird aus schwarz plötzlich weiß oder umgekehrt.

Trotzdem hatten die Menschen dicke Bäuche, weil sie von ihren Hungerödemen mit Wasser aufgeschwemmt waren und halluzinierten, wenn sie an zarten Rinderbraten oder Schweinshaxe mit Sauerkraut dachten. Diese Vorliebe für Sauerkraut hat uns dann ja auch noch den spöttischen Spitznamen "Krauts" eingebracht.

Aber die Deutschen sind nicht aufzuhalten, wenn sie ein Ziel vor Augen haben. Und das Ziel hieß: Raus aus dem Schlamassel, Trümmer wegräumen und Wiederaufbau. Und alles so schnell wie möglich hinter sich lassen und vergessen.
Die Alliierten waren platt, wie schnell sich da ein Wirtschaftswunderland etablierte und wie findig die Deutschen waren.
Ja und nun kam nach der Hungerwelle die Freßwelle. Die Menschen schmissen genau so viel in sich rein, als wären sie noch die Hungerhaken von gestern und gingen dabei auf wie ein Hefekloß, so daß jetzt das FDH in umgekehrter Folge zum Motto wurde.
Eine Diät jagte die andere, denn man wollte ja unbedingt mit dem "New Look" Staat machen und nicht mehr wie eine Trümmerfrau in Kittelschürze und Kopftuch herumlaufen.
Aber so sehr man sich auch kasteite mit Hollywood-Diät, Brigitte-Diät, Dr.Ätkins-Diät oder gar Nulldiät. Kaum hatte man die lästigen Pfunde runter und sich jubelnd in die nunmehr passenden modischen Klamotten geworfen, drehte sich das Teufelsrad schon wieder. Und eh du dich versiehst, sitzen die Pfunde schon wieder auf den Hüften und haben gleich noch ein paar mehr aufgesattelt sozusagen als eiserne Ration. Und daß es sich hierbei um den vertrakten Jojoeffekt handelt, erfuhren die Betroffenen erst, als es schon zu spät war, denn die Ernährungswissenschaftler hatten selbst keine Ahnung. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das Kainsmal des hemmungslosen Vielfraßes ohne jede Selbstdisziplin werden sie auch nicht los.


Die Schlanken wissen sowieso immer alles besser, was das Abnehmen betrifft. Sie beglücken ihre pumperlrunden Mitbürger mit Ratschlägen wie, den five-o-clock-tea der Briten vergessen, stattdessen den letzten Apfel essen, denn: one apple to day, keep the doctor away, zum Frühstück am besten nur Eigenurin trinken, das stärkt das Immunsystem und wirkt wie ein homöopathisches Mittel. Die Indische Regierung hat das schon vor Jahren ihrem armen Volk empfohlen, um es einigermaßen gesund zu erhalten. Und nach dem letzten Apfel ist Sense, dann kannst du nur noch mit irrem Blick durch die Räume rennen, wie ein Süchtiger, als den man dich ja sowieso abstempelt, nach irgend etwas Eßbarem suchen und wenn du verzweifelt den Kühlschrank aufreißt, stehen die Mäuse schon angriffsbereit und haben blank gezogen, um mit dir um den letzten Krümel Käse zu kämpfen.

Das Ganze kann dann in einer Anorexi, einer seelisch bedingten Magersucht enden oder in einer Bulimie, einer Fress-, Brechsucht, die in einem 1966 erschienenen Gesundheitsbrockhaus noch nicht einmal erwähnt ist, weil sie bis dato wohl noch nicht einmal als ernst zu nehmende Krankheit festgestellt wurde.
Entweder du überstehst das Ganze mit Narben an Leib und Seele oder auf deinem Grabstein steht: "Sie hat sich zu Tode gehungert und wird vermutlich als Spargel wiedergeboren."

Zu diesem Thema darf ich, falls Interesse besteht, auch auf meine Kurzgeschichte "Essen ist Leben"  bei BookRix hinweisen http://www.bookrix.de/_mybook-ilsebill_1288171457.4335019588.

Und bei nicht künstlich herbeigeführtem Hunger, sondern tierischem Hunger aus Mangel an Eßbarem essen die Menschen auch schon mal etwas, was sie sonst nicht anrühren würden. Dazu darf ich auf meine Kurzgeschichte "Gesucht wird...." hinweisen.
http://www.bookrix.de/_mybook-ilsebill_1288102927.7100870609.

Und was die Liebe daraus macht, da kann ich Euch meine Kurzgeschichte "Liebe und andere Unwägbarkeiten" empfehlen.
http://www.bookrix.de/_mybook-ilsebill_1318073883.1077311039.

http://www.bookrix.de/ilsebill

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen